Tagesalarmbereitschaft als zentrales Problem
Delegiertentagung: Kreisbrandinspektor Horst Friedrich weist auf Folgen des demografischen Wandels hin

BEERFELDEN. Ein Fünftel der Bewohner des Odenwaldkreises sind Mitglied einer der 81 Feuerwehren. Darauf wies der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, Horst Friedrich, bei der gut besuchten Delegiertenversammlung der Odenwälder Feuerwehren dieser Tage in Beerfelden hin. Besonders freue ihn, so Friedrich in seiner Zusammenfassung des schriftlich vorliegenden Jahresberichts, dass es „entgegen dem hessischen Landestrend gelungen ist, die Mitgliederzahl in den Einsatzabteilung nicht nur zu stabilisieren, sondern sogar noch leicht auszubauen“. Insgesamt stehen den Feuerwehren im Odenwaldkreis 2260 aktive Feuerwehrfrauen und -männer zur Verfügung.

Dennoch sei es unter anderem angesichts der zurückgehenden Einwohnerzahl erforderlich, verstärkt Personengruppen für die Feuerwehren zu gewinnen, die bisher schwach oder gar nicht vertreten sind. Friedrich nannte beispielsweise Frauen und „Personen mit Migrationshintergrund“.

Konnten in den vergangenen Jahren neue Einsatzkräfte insbesondere aus den Jugendfeuerwehren gewonnen werden, wird es angesichts eines Rückgangs der Mitgliederzahlen in den Nachwuchsabteilungen nötig werden, auch wieder verstärkt Seiteneinsteiger zu gewinnen.

„Unser größtes Problem hier im ländlichen Bereich ist aber nicht der Personalbestand im Allgemeinen, sondern die Sicherstellung der Tagesalarmbereitschaft“, formulierte Friedrich, der auch Kreisbrandinspektor ist, seine Sorgen. Weil eine Vielzahl der Odenwälder und somit auch der Feuerwehrleute im Raum Frankfurt oder im Rhein-Neckar-Raum arbeitet, stehen viele Aktive nur zwischen 18 Uhr und 6.30 Uhr für den Einsatzdienst zur Verfügung. Derzeit könne dieses Problem noch über die Alarmierung mehrerer Feuerwehren gelöst werden. „Wenn uns jedoch der Landestrend mit einem drastischen Rückgang der Einsatzkräfte einholt, müssen neue Strategien entwickelt werden.“

Im vergangenen Jahr wurden die Odenwälder Wehren nach Friedrichs Worten zu 1230 Einsätzen gerufen, das waren 104 mehr als im Jahr 2006. Nur zwölf Prozent davon waren Brandeinsätze, 80 Prozent waren Hilfeleistungen; die restlichen Einsätze erfolgten aufgrund von Fehlalarmen. Die gestiegene Anzahl der Einsätze begründete Friedrich mit der Trockenheit im April und insbesondere mit Einsätzen durch den Orkan „Kyrill“. Die Folgen von „Kyrill“ und auch von „Emma“ in diesem Jahr hätten gezeigt, dass alle Feuerwehren, auch die kleinsten Orts- und Stadtteilwehren, unverzichtbar sind.

Die Vielfalt der Aufgaben können Feuerwehrleute nur mit einer guten Ausbildung erfüllen, die im Odenwald vom Feuerwehrverband organisiert wird. 43 Kreisausbilder stehen dem Verband zur Verfügung, die genau so wie die übrigen Feuerwehrleute ehrenamtlich tätig sind. Im Jahr 2007 wurden 404 Mitglieder in 18 Lehrgängen geschult, außerdem fanden fünf Seminare mit 82 Teilnehmern statt.

Neue Herausforderungen stellen sich den Feuerwehrleuten nach Friedrichs Worten durch den stetigen Fortschritt der Technik. Zur Zeit seien Einsatzkonzepte für Photovoltaik- und Biogasanlagen zu entwickeln, und auch die neuen Fahrzeugkonzeptionen müssten berücksichtigt werden.

Sorge bereitet dem Kreisfeuerwehrverband die große Anzahl von Brandstiftungen. Horst Friedrich hofft auf einen Fahndungserfolg der Polizei, er zeigte den Delegierten ein aktuelles Phantombild eines jungen Mannes, der im Zusammenhang mit den jüngsten Brandstiftungen als Täter oder als Zeuge gesucht wird.

Kritisch sei der Zustand der Atemschutzübungsstrecke. Eine Renovierung konnte noch nicht in Angriff genommen werden, weil das Land seine Zuwendung noch nicht zugesagt hat. „Wir stehen kurz vor der Schließung der Strecke“, warnte Friedrich. Die Folge wäre, dass innerhalb von sechs Monaten im ganzen Kreis keine Atemschutzgeräteträger mehr vorhanden wären.

Quelle: www.echo-online.de

 

Würdigung für langjährigen Einsatz
Ehrenamt: Verdiente Aktive bei Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbands in Beerfelden ausgezeichnet

BEERFELDEN. Der Deutsche Feuerwehrverband hat Bernd Balz (Gumpen), Horst Friedrich (Sandbach) und Horst Friedrich (Unter-Ostern) mit dem Deutschen Feuerwehrehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Bei der Delegiertenversammlung des Odenwälder Kreisfeuerwehrverbandes überreichte der Vorsitzende des Bezirksfeuerwehrverbandes Hessen-Darmstadt, Gert Battenfeld (Lollar), diese Auszeichnung an die drei Feuerwehrmänner für ihren langjährigen Einsatz in verantwortlichen Funktionen. Bernd Balz ist sei 20 Jahren Wehrführer der Feuerwehr Gumpen, Georg Lang ist seit gut 20 Jahren als Kreisausbilder tätig. Horst Friedrich erhielt die Auszeichnung in Anerkennung seiner Tätigkeiten als Wehrführer, stellvertretender Gemeindebrandinspektor und als Kreisbrandinspektor.


v.l.: Gert Battenfeld, Dietrich Kübler, Bernd Balz, Horst Friedrich und Georg Lang

Hessenecks Bürgermeister Thomas Ihrig wurde mit der Deutschen Feuerwehrehrenmedaille ausgezeichnet. „Auch in der kleinsten Gemeinde Hessens sorgt die Feuerwehr für den Schutz der Bürger“, sagte Battenfeld. Als Bürgermeister habe Ihrig über viele Jahre den Brandschutz in seiner Heimatgemeinde gefördert.

Im Auftrag des Hessischen Innenministers überreichte Erster Kreisbeigeordneter Dietrich Kübler das Silberne Brandschutzehrenzeichen am Bande an Oliver Balonier (Lützel-Wiebelsbach) und Bernd Gerbig (Lauerbach), weil beide seit 25 Jahren in den Feuerwehren ihrer Heimatgemeinden Dienst leisten. Außerdem überreichte Kübler an Jürgen Obier (Michelstadt) die Katastrophenschutz-Medaille in Silber. Damit wurde Obier's ebenfalls bereits seit 25 Jahren währender Dienst im GABC-Zug (Gefahrstoffzug atomar, biologisch und chemisch) der freiwilligen Feuerwehr Michelstadt gewürdigt.


v.l.: Horst Friedrich, Jürgen Obier, Bernd Gerbig, Dietrich Kübler und Oliver Balonier

Mit dem Wappenanhänger des Kreises wurden Heiko Allmanritter (Bad König), Dirk Haberer (Höchst) und Tobias Gücklhorn (Lützel-Wiebelsbach) für ihre Tätigkeit als Kreisausbilder sowie Daniel Johe (Beerfelden), Holger Eberts und Christopher Lang (beide Sandbach) für dreimalige Teilnahme am Landesentscheid der Feuerwehrleistungsübungen ausgezeichnet. 


v.l.: Horst Friedrich, Christopher Lang, Holger Eberts, Daniel Johe, Heiko Allmanritter, Dietrich Kübler, Dirk Haberer und Tobias Gücklhorn

 


v.l.: Heinz Eckhard, Mossautal, Edgar Scheuermann, Hebstahl, Ottmar Klein, Haingrund, Udo Hinninger, Bad König, Norbert Reeg, Böllstein, Gerhard Münch, Ernsbach-Erbuch, Klaus Hofmann, Vielbrunn, Volker Röske, Langenbrombach, Horst Spatz, Fürstengrund, Wilfried Göttmann, Wersau, Ernst Eidenmüller, Kirchbrombach, Horst Friedrich