Feuerwehrverband des Odenwaldkreises
Jahresbericht des Vorsitzenden und Kreisbrandinspektors für das Jahr 2001
Das Jahr 2001 stand im Zeichen überörtlicher Ereignisse und besonderer Lagen.
Die zu Beginn des Jahres aufgetretenen Fälle von Maul- und Klauenseuche führten zwar glücklicherweise im Odenwaldkreis zu keinen Einsätzen, jedoch mussten auch bei den Feuerwehren im Kreisgebiet die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden. So wurden unter anderem Desinfektionswannen vorbereitet, und entsprechende Einsatzpläne erarbeitet und auf Kreisebene mit den entsprechenden Behörden abgestimmt. Die Einsätze im Raum Gießen haben gezeigt, wie schnell die Feuerwehren an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, vor allem im Personalbereich kommen, wenn diese über mehrere Tage andauern.
Weitaus umfangreicher wurde jedoch die Arbeit bei Einsätzen welche durch die Ereignisse des 11. September ausgelöst wurden.
Für alle unfassbar sind noch heute die Geschehnisse in New York, bei denen nach terroristischen Anschlägen auf die beiden Türme des World Trade Centers hunderte Menschen ihr Leben lassen mussten. Betroffen macht vor allem die Tatsache, dass über 300 auch ehrenamtliche Helfer bei diesem Einsatz getötet wurden. Die Feuerwehren der ganzen Welt haben in zahlreichen Veranstaltungen die Trauer und die Verbundenheit zu diesen Kameraden zum Ausdruck gebracht. Auch im Odenwaldkreis wurden in Trauergottesdiensten und Gedenkminuten Anteil genommen, und der Feuerwehrverband hat sich an der Spendenaktion des Deutschen Feuerwehrverbandes für die Hinterbliebenen mit einer entsprechenden Summe beteiligt.
Diese Ereignisse haben jedoch auch verdeutlicht, dass der Katastrophenschutz in Deutschland nach Ende des "Kalten Krieges" zu weit zurück gefahren wurde. Die von den Verantwortlichen und den Feuerwehren geforderte Umstrukturierung und vor allem die Ausstattung der Einheiten mit entsprechenden Fahrzeugen und Gerätschaften zur Bewältigung von größeren Schadenslagen gewinnt nach diesen Ereignissen erneut an Bedeutung.
Es bleibt zu hoffen, das Bund und Länder ihrer Verantwortung gerecht werden, und entsprechende Mittel für den Katastrophenschutz bereitgestellt, und vor allem auch bedarfsorientiert eingesetzt werden.
Für die Feuerwehren des Odenwaldkreises brachte der 11. September 2001 zum ersten Mal auch Einsätze im Gefahrgutbereich mit Verdacht auf biologische Kampfmittel. So mussten im Kreisgebiet insgesamt 8 Einsätze mit Verdacht auf mit Milzbrand infizierten Stoffen durchgeführt werden. In Zusammenarbeit mit Polizei, Rettungsdienst und Gesundheitsamt wurde eine positive Abarbeitung dieser Verdachtsfälle durchgeführt, wobei im Nachhinein kein bestätigter Anthrax-Fall in Deutschland auftrat.
Ende September beteiligte sich der Odenwaldkreis zum ersten Mal an einer Übung des Bereiches Südhessen in Verbindung mit einem angenommenen kerntechnischen Unfall im Kernkraftwerk Biblis.
Die Einrichtung des Katastrophenschutzstabes und der Aufbau einer Notfallstation in Michelstadt brachte wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Arbeit dieser Institutionen, und vor allem über den entsprechenden Bedarf an Ausstattungen und Übungen.
Große Aufgaben wurden zum Jahresende dann den Feuerwehren des Odenwaldkreises durch große Schneemassen mit gleichzeitigem Schneebruch in bisher nicht da gewesenem Ausmaß gestellt.
Innerhalb weniger Stunden war ein Großteil der Straßen im Kreisgebiet durch umstürzende Bäume versperrt. Wurde zunächst noch versucht die Straßen frei zu schneiden, war jedoch bald klar, dass die Gefahr für das Leben der Einsatzkräfte während der andauernden Schneefälle zu groß ist.
Als dann auch noch in Hesseneck/Kailbach ein Zug der DB mit über 160 Personen stecken blieb, wurde zur Abarbeitung dieser Gefahrenlage die besondere Einsatzleitung des Odenwaldkreises einberufen.
Dank des tatkräftigen und zielgerichteten Einsatzes von Feuerwehr, DRK, THW, Polizei, und vielen freiwilligen Helfern aus Hesseneck, konnten die Fahrgäste aus dem Zug in das Sportlerheim und Kindergarten in Kailbach evakuiert und dort versorgt werden, wobei Verpflegung und Personal aus dem Kreisgebiet über Eberbach nach Kailbach gebracht werden musste. Am Vormittag des folgenden Tages konnten die Fahrgäste mit Bussen ihre Weiterfahrt antreten.
Ein weiterer in Etzen-Gesäß stecken gebliebener Zug der DB wurde nach Mümling–Grumbach zurückbeordert, und die Fahrgäste von den Feuerwehren an ihre Bestimmungsorte gebracht.
Mit einem groß angelegten Einsatz von Feuerwehren, Bauhöfen, Straßenmeisterei und Forstbehörden konnten auch die Straßen bis zum Mittag des folgenden Tages wieder befahrbar gemacht werden.
Weitere Einsätze:
Auch im Bereich der allgemeinen Einsatztätigkeiten mussten die Feuerwehren des Odenwaldkreises ihr Können im Jahr 2001 unter Beweis stellen. Zu insgesamt 1048 Einsätzen wurden die Feuerwehren alarmiert. Dies ist eine Steigerung um 290 Einsätze gegenüber dem Jahr 2000, wobei die Technischen Hilfeleistungen wiederum mit 722 Einsätzen den größten Anteil bilden (siehe gesonderter Bericht).
Lehrgänge:
Die sichere und zielgerichtete Hilfe bei Schadensfällen ist jedoch nur möglich, wenn die Feuerwehrangehörigen entsprechend geschult und ausgebildet werden. Der Feuerwehrverband ist vom Odenwaldkreis damit beauftragt, die Kameradinnen und Kameraden auf überörtlicher Ebene auszubilden.
So wurden von den 37 zur Verfügung stehenden Kreisausbildern im Jahr 2001 insgesamt 456 Feuerwehrangehörige im Odenwaldkreis in verschiedenen Lehrgängen ausgebildet (siehe gesonderter Bericht).Dies bedeutet eine Steigerung um 40,7 %.
Zum ersten Mal wurde im Juni 2001 ein Lehrgang Technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung nach Bahnunfällen durchgeführt. Dieser Pilotlehrgang wurde in Beerfelden gestartet, und es konnten viele positive Erkenntnisse für die nächsten Lehrgänge in dieser Sparte erarbeitet werden.
Ebenfalls positiv zu bewerten ist die Teilnahme von 131 Feuerwehrangehörigen an Lehrgängen an der Hessischen Landesfeuerwehrschule (HLFS) in Kassel.
Leider konnte auch im Jahr 2001 der Bedarf an Lehrgangsplätzen in Kassel nicht gedeckt werden (46 Aktive wurden nicht berücksichtigt). Jedoch nimmt auch die Zahl der kurzfristigen Absagen von Lehrgangsteilnehmern zu, so dass dem Odenwaldkreis 25 Lehrgangsplätze an der HLFS verloren gingen.
Feuerwehrleistungsübungen:
Durch ständige Übungen auf den Standorten wird das erlernte Wissen vertieft, und durch Veranstaltungen auf Gemeinde-, oder Kreisebene ein Vergleich der Leistungen ermöglicht.
Auch im Jahr 2001 konnten wieder die Leistungsvergleichsübungen des Odenwaldkreises in Breuberg-Neustadt mit 13 Mannschaften durchgeführt werden.
Die hierbei teilnehmenden Feuerwehren zeigten durchweg gute Leistungen.
Durch die Bearbeitung eines zusätzlichen Fragebogens in zunehmendem Schwierigkeitsgrad und der Abfrage von speziellem Fachwissen konnten 23 Feuerwehrangehörige Leistungsabzeichen in verschiedenen Stufen erreichen.
So konnten hier:
8 Eiserne
4 Bronzene
8 Silberne
3 Goldene Feuerwehrleistungsabzeichen
Die Mannschaften aus Breuberg/Sandbach und Beerfelden qualifizierten sich als Kreissieger mit 1000 von 1000 möglichen Punkten für die Leistungsvergleichsübungen auf Bezirksebene, welche im Jahr 2001 im Odenwaldkreis in Breuberg/Neustadt stattfanden.
Hier erreichten nach ebenfalls hervorragenden Leistungen die Feuerwehr Sandbach mit 1000 Punkten den 1. Platz und die Feuerwehr Beerfelden mit 995 Punkten den 2. Platz, wodurch sich beide Mannschaften auch für die Vergleichsübungen auf Landesebene qualifizierten.
Diese fanden am ersten Septemberwochenende in Korbach (Oberhessen) statt.
Die Übungsmannschaft aus Breuberg/Sandbach konnte hier mit 925 Punkten den 4. Platz und Beerfelden mit 900 Punkten den 9. Platz unter den besten hessischen Mannschaften belegen.
Ausrüstung:
Für die Sicherstellung des Brandschutzes ist nicht nur eine gute Ausbildung von Nöten, sondern es muss auch die entsprechende Ausrüstung zur Verfügung stehen.
In diesem Bereich steht die Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen, welche 25 Jahre und älter sind im Vordergrund. Im Jahr 2001 ergaben sich hier jedoch keine weitgreifenden Neuerungen.
Wesentlicher Grund für die geringe Bewegung im Bereich Fahrzeuge und Feuerwehrhäuser ist wohl das Programm 2000 + der Hessischen Landesregierung, in dem Zuwendungszusagen an die Städte und Gemeinden gegeben wurden, jedoch die Auszahlung der Zuwendungen erst in den nächsten 7 Jahren erfolgt, eine Vorfinanzierung durch die Städte und Gemeinden jedoch auf Grund der allgemeinen Haushaltslage in den seltensten Fällen möglich sein dürfte.
Im Rahmen des Programms 2000+ hat die Hessische Landesregierung insgesamt 100 Mio. DM für die Kommunen in Hessen bis zum Jahr 2011 bereitgestellt. Die entsprechenden Verpflichtungsermächtigungen für die Städte und Gemeinden des Odenwaldkreises haben ein Volumen von ca. 1,6 Mio. DM, wobei die Auszahlungen teilweise bis 2011 datiert sind. Hiervon werden für Fahrzeuge ca. 774.000,00 DM und für Gerätehäuser ca. 816.000,00 DM bereitgestellt.
Für diverse Kleinanträge aus den Jahren seit 1995 wurden vom Land im vergangenen Jahr 280.675,00 DM (143.504,29 €) zur Auszahlung gebracht.
Anzumerken ist hier, dass sich alle Zuwendungen des Landes auf Anträge aus den Jahren 1996 bis 1999 beziehen.
Es bleibt zu Hoffen, dass der seit 1999 entstandene Stau von 120 Fahrzeuganträgen und 66 Anträgen zu Gerätehäusern mit einem derzeitigen Zuwendungsvolumen von ca. 19 Mio. € zeitnah beschieden werden kann, und die von den Gemeinden erstellten Bedarfsplanungen auch verwirklicht werden können.
Positiv zu bewerten ist jedoch die Fortführung der Beschaffungsaktionen für Tragkraftspritzenfahrzeuge (TSF) und Tragkraftspritzenfahrzeuge mit Wassertank (TSF-W). Hier konnten im Jahr 2001 im Odenwaldkreis 3 TSF und 1 TSF-W ersetzt werden, deren Fahrzeugalter bereits mehr als 30 Jahre betrug. Den Gemeinden konnte durch die kostenlose Bereitstellung der Fahrgestelle die Finanzierung dieser Fahrzeuge entsprechend erleichtert werden.
Der Odenwaldkreis stellte im Berichtsjahr 117.029,37 DM (59.836,17 €) für Zuwendungen an die Städte und Gemeinden des Kreises zur Verfügung, wovon 65.820,37 DM (33.653,42 €) in den überörtlichen Brandschutz investiert wurden.
Außerdem erhielt der Feuerwehrverband vom Odenwaldkreis Mittel in Höhe von 10.000,00 DM (5.112,92 €) für die Ausbildung der Feuerwehren, Jugendfeuerwehren und Musikzüge.
Von den Städten und Gemeinden wurden im Jahr 2001 insgesamt 4,525 Mio. DM (2.313.761,51 €) bereitgestellt, wovon 3,087 Mio. DM (1.578.628,35 €) im Verwaltungshaushalt, und 1,437 Mio. DM (735.133,16 €) im Vermögenshaushalt standen.
Die Feuerwehrvereine stellten auch in diesem Jahr wieder Mittel in Höhe von über einer halben Million DM (505.724,18 DM bzw. 258.572,67 €) den Städten und Gemeinden für den Brandschutz zur Verfügung. Dies stellt einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung des Haushaltes der Städte und Gemeinden dar.
Im Bereich der Funk- und Alarmierungstechnik ist eine Erweiterung der stillen Alarmierung festzustellen, wobei ebenfalls der Ausbau des Funkmeldesystems (FMS) im Vordergrund steht.
Vorbeugender Brandschutz:
Der Bereich des Vorbeugenden Brandschutzes erhält auch durch das im Juni 1999 in Kraft getretene Gesetz über den Brandschutz, die Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz (HBKG) immer größere Bedeutung. Vorbeugender Brandschutz in Verbindung mit der Brandschutzerziehung sind ein wesentlicher Bestandteil bei dem Versuch die Bevölkerung für Gefahren und deren Ursachen zu sensibilisieren.
Auch der Odenwaldkreis befasst sich eingehend mit dem Thema Brandschutzerziehung. Hier wurden entsprechende Seminare auf Kreisebene für die Städte und Gemeinden durchgeführt, und die Erstellung einer einheitlichen Arbeitsgrundlage begonnen.
Personal:
Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat sich die Zahl der Aktiven Mitglieder in den Einsatzabteilungen wieder erhöht (siehe gesonderter Bericht).
Es bedarf noch einiger Anstrengungen damit dieser Trend sich fortsetzt, und die Zukunft der Feuerwehren, und damit auch der Bestand des flächendeckenden Brandschutzes weiterhin gesichert ist.
Langjähriges Mitwirken in einer Hilfeleistungsorganisation ist zur Zeit nicht gerade "up to date", wobei es um so erfreulicher ist, dass auch im Jahr 2001 wieder einige Feuerwehrangehörige für eben diese uneigennützige und selbstlose Tätigkeit über lange Jahre geehrt werden konnten.
So wurden im Berichtsjahr folgende Ehrenzeichen vergeben:
|
|
Bronze |
Silber |
Gold |
Gesamt |
|
Brandschutzehrenzeichen am Bande |
- |
41 |
3 |
44 |
|
Ehrenzeichen Bezirksfeuerwehrverband |
4 |
22 |
24 |
50 |
|
Musikerehrenzeichen LFV |
13 |
5 |
7 |
25 |
|
Musikerehrenzeichen BDBV |
1 |
0 |
0 |
1 |
|
Deutsche Feuerwehrehrenmedaille |
- |
- |
- |
- |
|
Deutsches Feuerwehrehrenkreuz |
- |
- |
- |
- |
|
|
|
|
|
|
|
CISM-Verdienstkreuz |
|
|
|
- |
Auch den Jugendfeuerwehren im Odenwaldkreis und dem Kreisjugendfeuerwehrvorstand kommt eine entscheidende Aufgabe in der Erhaltung der Einsatzbereitschaft unserer Einsatzabteilungen zu. Da Seiteneinsteiger in den Feuerwehren äußerst selten sind, sichert die hervorragende Arbeit der in diesem Bereich Verantwortlichen den Personalbestand für die Zukunft (siehe separater Bericht). Nicht zu unterschätzen ist auch der Aspekt der allgemeinen Jugendarbeit, der als vorbildlich zu bezeichnen ist.
Öffentlichkeitswirksam sind vor allem auch die Auftritte und Veranstaltungen unserer Musik- und Spielmannszüge. Diese bereichern nicht nur Veranstaltungen der Feuerwehren, sondern sind kultureller Teil einer Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen, und werben gemeinsam mit dem Spielleuteorchester des Odenwaldkreises weit über die Kreisgrenzen hinaus für den Odenwald (siehe gesonderter Bericht).
Sonstiges:
Als positiv für die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes kann sicherlich die Durchführung des Kreisfeuerwehrtages in Rothenberg/Finkenbach und des Drei-Länder-Treffens mit Durchführung des Veteranentreffens in Sensbachtal gewertet werden. Die Kameradinnen und Kameraden und die Ortsbürger der Gemeinden haben ihr Bestes gegeben, um diese beiden Feste zu einem vollen Erfolg für alle Beteiligten werden zu lassen, und ein Ausbau der kameradschaftlichen Verbindungen über die Kreisgrenzen hinaus zu garantieren.
Eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen auf überörtlicher Ebene wie z.B. Feuerwehrausschusssitzungen, Vorstandsitzungen, Tagungen des Brandschutzaufsichtsdienstes, des Landes- und Bezirksfeuerwehrverbandes, etc. fanden im Berichtsjahr statt, welche jedoch nicht einzeln aufgeführt werden sollen.
Leider konnten in diesem Bericht nicht alle Themen angesprochen werden, welche die Feuerwehren betreffen und bewegen.
Abschließend darf ich auf die angefügten Berichte verweisen.
Zum Ende des Berichts möchte ich allen danken, die sich in irgend einer Weise – ob ideell, finanziell oder materiell - für die Feuerwehren im Odenwaldkreis eingesetzt haben, vor allem allen aktiven Feuerwehrkameradinnen und -kameraden für deren Einsatzbereitschaft sowie deren Partnern und Angehörigen für das entgegengebrachte Verständnis und die Mithilfe.
Besonderer Dank gilt:
Erbach, 28. Februar 2001
Friedrich
Vorsitzender
Kreisbrandinspektor
Bilderrückblick:


