Einsatztaktik unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten
200 Führungskräfte der Feuerwehren des Odenwaldkreises bei Fortbildungsveranstaltung in der Odenwaldhalle
„Falsche Taktik – Große Schäden“, so heißt ein Buch, dass Oberbrandrat Dr. Markus Pulm von der Berufsfeuerwehr Karlsruhe geschrieben hat. Seit 2002 hat dieses Werk große Beachtung gefunden, so dass der Autor seit dieser Zeit in ganz Mitteleuropa bei Brandschutzorganisationen mit Vorträg zu seiner dargelegten Lektüre gastiert. Am Dienstag, den 19.02.2008 war er zu einer Lehrveranstaltung in die Michelstädter Odenwaldhalle geladen, und etwa 200 Führungskräfte der Feuerwehren aus dem ganzen Kreisgebieten folgten diesem Ruf.
Unter gespannter Aufmerksamkeit verfolgten Sie seine Anstöße althergebrachte Denkweisen zur Taktik bei Feuerwehreinsätzen zu hinterfragen und neue Blickwinkel aufzutun. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er auf, wie die Qualität der Arbeit der Feuerwehren erheblich gesteigert werden kann. Er nutze dabei bewusst eine provokante Hinterfragung grundlegender Regeln und Vorgehensweisen, um dadurch eindringlich und schonungslos Defizite in der Einsatzentwicklung zu offenbaren. Seine kritischen Analysen zielten dabei unter anderem auch auf die Schadensminimierung bei Brandeinsätzen ab, die so der Brandrat, schon vor Beginn der Löscharbeiten einer eindringlichen Betrachtung bedarf. Somit ist mit einer zielgerichteten Arbeitsweise der Kräfte möglich, das vorhanden Schadensausmaß in häufigen Fällen einzugrenzen und so z.B. Folgeschäden durch Kontamination von Rauch und beim Brand entstehenden Giften in bis dato nicht betroffenen Gebäudeteilen zu vermeiden! Hierbei kann es auch wenigen Fällen sinnvoll sein, das übliche Ziel einer Feuerwehr einen Brand gezielt zu bekämpfen, vorerst völlig außer Acht zu lassen und Maßnamen in dessen Umfeld in den Blickwinkel zu rücken.
Auch der Umgang mit der Öffentlichkeit und der Stressfaktor und Druck für Führungs- und Einsatzkräfte wurden beleuchtet. Ziel des Vortrags war eine deutliche Qualitätsverbesserung der Arbeit der Feuerwehren, die sich als Dienstleister am Bürger verstehen.
Unter großem Applaus und mit so manchem Nachdenklichen Blick so manchen Teilnehmers beendete Markus Pulm einen Vortrag, dessen Inhalte wohl noch in so mancher Runde und Ausbildungsveranstaltung Diskussion finden werden.
Auch wenn die immer schwieriger werdende Arbeit der Feuerwehren vornehmlich durch freiwillige Kräfte unentgeltlich in deren Freizeit geleistet wird, so wird diese doch mit verlässlicher Sicherheit und Professionalität durchgeführt. Dieser Abend hat gezeigt, dass es noch Ansatzpunkte gibt das weiter zu verbessern und Bereitschaft der Feuerwehren dazu besteht.
